LIFE EUROKITE+

Im Rahmen von bewilligten LIFE Projekten ist es möglich, diese zu erweitern. Von der EU ist dies sogar erwünscht, wenn die Ziele übererfüllt werden, im Vergleich zu dem, was bewilligt wurde. Eine Zustimmung des Steering Komitees zur geplanten Projekterweiterung vorausgesetzt, können die Gespräche finalisiert werden und Förderverträge mit weiteren Ko-Finanzierern geschlossen werden.

Die Erweiterung wollen wir jetzt auch im LIFE EUROKITE Projekt umsetzen, und zwar von der MEGEG in Abstimmung mit allen Projektpartnern.

Der neue Projektteil „LIFE EUROKITE+“ soll sich als zusätzlicher Bestandteil von LIFE EUROKITE den legalen Formen menschenverursachter Mortalität (z. B. Kollision mit Infrastrukturen und Stromschlag) annehmen, dabei spielt insbesondere die Versachlichung der Windenergiediskussion eine tragende Rolle.

Es ist definitiv im Interesse des Artenschutzes, dass die im Projekt generierten Erkenntnisse bei Umweltverträglichkeitsprüfungen und Infrastrukturprojekten im Allgemeinen Berücksichtigung finden und aufbauend auf der wissenschaftlichen Analyse von Telemetriedaten Empfehlungen für die Themenbereiche Windenergie und Verkehr erarbeitet werden. Auf Anregung des WWF und auf Wunsch von Vertretern der EU-Kommission sollen die umfangreichen Daten im neuen Projektteil EUROKITE+ auch dazu genutzt werden, um die Effektivität von Natura 2000 Vogelschutzgebieten für ausgewählte Greifvogelarten (z. B. Rotmilan) zu bewerten, um anschließend gezielte Maßnahmen zur Verbesserung dieser Europaschutzgebiete aus Sicht der Greifvögel zu ermöglichen.

Im Projektteil LIFE EUROKITE+ sollen allein in Deutschland noch deutlich mehr als 180 weitere Rotmilane und eventuell auch einige Individuen anderer Arten, wie Seeadler oder Wespenbussard, über mehrere Bundesländer verteilt besendert werden. Durch den Abschluss umfassender Datennutzungsvereinbarungen mit mehreren wissenschaftlichen Institutionen, wie zum Beispiel mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und der Vogelwarte Radolfzell konnten bereits Daten von mehr als 500 weiteren besenderten Rotmilanen gesichert werden, die für wissenschaftliche Auswertungen im Rahmen von LIFE EUROKITE bzw. dem Projektteil LIFE EUROKITE+ zur Verfügung stehen. Datennutzungsverträge mit weiteren Organisationen und Privatpersonen sind schon geschlossen bzw. stehen derzeit in Verhandlung und sollen den Zugriff auf möglichst alle bereits in Europa besenderten Rotmilane ermöglichen. Somit stehen bereits zum jetzigen Zeitpunkt Telemetriedaten von mehr als 1.000 Rotmilanen für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung. Diese bieten einen genauen Einblick in das Leben der einzelnen Individuen und erlauben neue Erkenntnisse über das Verhalten der Art.

Mögliche Ziele:

  • Genaue Analyse der Mortalitätsursachen und wissenschaftliche Publikation gemeinsam mit zahlreichen Partnern, und zwar sowohl aller Ursachen als auch eine spezielle Auswertung zum Einfluss der Windenergie auf den Rotmilan anhand der Daten aller besenderter Rotmilane, die dann bereits verstorben und analysiert sind (zwei Arbeitsgruppen wurden im Rahmen des LIFE Projektes bereits gegründet und die Arbeitstitel und die Autoren festgelegt). Durch die Telemetriedaten und die bekannte Todesursache sind auch Rückschlüsse möglich, ob die besenderten Tiere sich überhaupt, und wenn ja, wie lange sie sich, im Gefahrenbereich von Windkraftanlagen aufgehalten haben.

  • Schaffung von Grundlagen zum Thema „Maßstäbe des BVwG“ (z.B. durchschnittliches Kollisionsrisiko oder ab wann besteht eine deutliche Erhöhung des allgemeinen Lebensrisikos).

  • Untersuchung des Zusammenhanges der Raumnutzung und der Todeszeitpunkt von besenderten Vögeln verschiedener Altersgruppen (1. Kalenderjahr, 2. KJ und 3+ KJ) mit dem Aufenthaltsort (Brutgebiet, Zugzeit oder Überwinterungsort).

  • Wie häufig ist das Ausweichverhalten von Rotmilanen an Rotoren von Windenergieanlagen (voraussichtlich mit Sekundendaten der telemetrierten Vögel im Gefahrenbereich) als eine wichtige Grundlage für die Probabilistik.

  • Identifizierung von Hochrisikostrecken von Stromleitungen für Greifvogelkollisionen oder Stromschläge in den Brutgebieten, den Überwinterungsgebieten und entlang der Zugrouten.

  • Vorschläge für Minderungsmaßnahmen (Vermeidung von Kollisionen beispielsweise durch Verminderung von Anlockeffekten unter Windenergieanlagen).

  • Bundeslandspezifische Auswertung von GPS-gestützten, überwiegend mehrjährigen Rotmilan-Raumnutzungsdaten (Kartendarstellungen und Habitatpotenzialanalyse als Grundlage für die Definition von Vorranggebieten) sowie von Mortalitätsdaten aller Rotmilane, die im jeweiligen Bundesland besendert wurden bzw. dort verstorben sind.

  • Daten-Erhebung und -Auswertung für evidenzbasierte artenschutzrechtliche Risikoentscheidungen zum Thema „WEA und Rotmilan-Kollisionsrisiko“ sowie Validierung künftiger Signifikanzschwellen, anhand der erhobenen Raumnutzungs- und Mortalitätsdaten des Rotmilans. Grundlage ist der Beschluss der Umweltministerkonferenz vom 11. Dezember 2020 („Signifikanzrahmen“). Mit Hilfe von repräsentativen Telemetriedaten ist künftig auch ein populationsbezogener Ansatz möglich.

Durch weitere Ko-Finanzierer soll diese Projekterweiterung möglich werden. Mit Vertretern der Ministerien von mehreren deutschen Bundesländern laufen bereits gute Gespräche.